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Kaum ein Studierender, der unvoreingenommen das Studium der Ökonomie beginnt, glaubt an Adam Smith' unsichtbare Hand. Aber noch bevor das erste Semester vorbei ist, gräbt sich das Gleichgewichtsdenken in den Köpfen ein. Wie auch immer es möglich sein mag, gelingt es den Dozenten, die Studierenden zu überzeugen, dass Ungleichgewichte Anpassungsprozesse auslösen und sich von selbst eliminieren. Den wenigen, die es nicht glauben wollen, wird mit dem Walrasianischen Auktionator gedroht.

Dass in der mikroökonomischen Modellwelt alles so perfekt funktioniert, liegt natürlich an ihren Externer Linkrestriktiven Modellannahmen. Wer im bisherigen Studium in erster Linie mit diesen Modellen konfrontiert wurde, wird jetzt etwas umdenken müssen. Das keynesianische Modell besitzt eine andere Philosophie. Die Welt wird "nicht so glatt" gesehen wie in den mikroökonomischen Modellen. Psychologie, Unsicherheit, Erwartungen und weitere Marktunvollkommenheiten erhalten einen höheren Stellenwert. Niemand kann in die Zukunft schauen. Sie ist einfach ungewiss.

Die Menschen haben Vermutungen und Erwartungen, auf deren Grundlage sie ihre wirtschaftlichen Entscheidungen treffen. Aber die Entscheidungen mögen nicht aufeinander abgestimmt sein, weil sie falsche Erwartungen haben. Es lässt sich auch in Zweifel ziehen, ob die simultanen Entscheidungen von Millionen von Wirtschaftssubjekten praktisch jemals so weitgehend miteinander kompatibel sein können, dass sich ein gesamtwirtschaftliches Vollbeschäftigungsgleichgewicht einstellen kann. Für Keynes war das nicht die Normal-, sondern die Ausnahmesituation.

Interner LinkUnterbeschäftigungsgleichgewicht

"[The economic system] seems capable of remaining in a chronic condition of subnormal activity for a considerable period without any marked tendency either towards recovery or towards complete collapse. Moreover, the evidence indicates that full, or even approximately full, employment is of rare and short-lived occurrence."

Externer LinkKeynes, General Theory

Das keynesianische Modell betrachtet geräumte Märkte nicht als normalen Zustand. Im Gegenteil, es geht davon aus, dass Unternehmen über freie Kapazitäten verfügen. Sie könnten die Produktion kurzfristig erhöhen. Die notwendigen Arbeitskräfte stünden zur Verfügung, da Unterbeschäftigung herrscht.

Die Nachfrage restringiert das Angebot.

Die Unterauslastung der Unternehmen ist auf fehlende Nachfrage zurückzuführen. Dies ist das Credo der Keynesianer. Man kann sich ganz plastisch ein Automobilwerk vorstellen, das eine Tageskapazität von dreihundert Pkw hat, in dem zur Zeit täglich aber nur zweihundert Pkw vom Band rollen. Die Manager würden die Produktion gern erhöhen, aber die Kunden fragen - aus welchen Gründen, das wird noch zu klären sein - einfach nicht genügend Fahrzeuge nach.

Im Einzelfall ist es schwierig herauszufinden, ob die Minderproduktion ihre Begründung tatsächlich in fehlender Nachfrage findet. Vielleicht ist die Konkurrenz ja einfach nur preiswerter. Vielleicht hat der produzierte Pkw ein Qualitäts- oder Imageproblem. Doch wenn die Automobilhersteller durch die Bank verlautbaren lassen, der Absatz laufe gut, aber nicht gerade sehr gut, und über Sonderrabatte nachdenken, dann spricht schon einiges dafür, dass die Nachfrage insgesamt schwach ist und dem Management eine bessere Kapazitätsauslastung sehr gelegen käme.

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Keynes liefert in der General Theory kein geschlossenes Modell, wie Sie es aus Lehrbüchern kennen. Die Lektüre eignet sich zur Klausurvorbereitung eines einführenden Makro-Kurses nicht. Eine Zusammenstellung kennzeichnender Passagen aus Keynes' Werken finden Sie Externer Linkhier.

Keynes' Lebenslauf, seine Bibliographie und weitere interessante Informationen bietet die Externer LinkWebseite der Keynes-Gesellschaft.

Für die folgenden theoretischen Ausführungen benötigen wir aufgrund der komplexen Materie noch Annahmen, um das Modell übersichtlich zu halten. Wir konzentrieren uns zunächst auf elementare Zusammenhänge und blenden per Annahme alles aus, was nicht unmittelbar im Zentrum des Interesses steht.

Die Analyse ist kurzfristig und die Preise sind fix.

Diese Annahme fangen wir einfach dadurch ein, dass wir ein konstantes Preisniveau in Höhe von eins unterstellen. Damit stimmen monetäre und reale Größen überein.

Die Wirtschaft ist geschlossen und ohne Staat.

Die Fristigkeit haben wir schon in einem eigenen Abschnitt diskutiert. Durch den keynesianischen Rahmen, dass Unterbeschäftigung eher der Normalfall ist als Vollbeschäftigung, erfährt das stabile Preisniveau eine zusätzliche Rechtfertigung: Bei freien Kapazitäten können es sich Unternehmen, die im Wettbewerb stehen, nicht erlauben, die Preise anzuheben. Eine Ausweitung der Produktion wird nicht zu steigenden Stückkosten führen. Arbeitskräfte können rekrutiert werden, ohne dass ihnen höhere Löhne geboten werden müssen.

Dieser Gedanke weicht deutlich von den üblichen mikroökonomischen Überlegungen ab. Dort wird unterstellt, dass Wettbewerbsunternehmen der Externer LinkPreis-Grenzkosten-Regel folgen und zu Externer LinkMinimalkosten produzieren. Produktionsausweitungen sind wegen steigender Grenzkosten nur mit steigenden Stückkosten möglich. Das ist wenig realistisch. Die Unternehmen befinden sich in der Mikrotheorie auch nur auf Grund der Externer LinkAnnahme vollkommener Märkte in der Minimalkostensituation (u.a. kostenlose Information).

Welche Änderungen sich ergeben, wenn der Staat und das Ausland in das Modell einbezogen werden, wird im Abschnitt über den Multiplikator diskutiert. Preisniveauänderungen werden im Abschnitt über das AS-AD-Modell zugelassen.

Zunächst wenden wir uns den Grundbausteinen der keynesianischen Theorie zu. Das sind

Aus diesen vier Bausteinen besteht das Interner LinkIS-LM-Modell, mit dem sich die Wechselwirkung zwischen Güter- und Geldmarkt und wirtschaftspolitische Maßnahmen analysieren lassen. Es genießt einen hohen Bekanntheitsgrad, berücksichtigt wichtige keynesianische Faktoren wie Psychologie, Unsicherheit und Erwartungen allerdings nur am Rande. Auch Löhne und Preise spielen erst im nächsten Schritt eine Rolle, wenn mit dem AS-AD-Modell die Analyse auf die mittlere Frist erweitert wird.

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