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Das Geldangebot der Zentralbank erreicht die Wirtschaftssubjekte über die Geschäftsbanken. Dazu versorgt die Zentralbank die Geschäftsbanken mit Zentralbankgeld. Zentralbankgeld setzt sich aus Bargeld und Sichtguthaben zusammen, die die Geschäftsbanken bei der Zentralbank unterhalten.

Wir wollen annehmen, die Zentralbank kauft endgültig von einer Geschäftsbank Wertpapiere im Wert von 1000. Damit verfügt die Geschäftsbank über 1000 Zentralbankgeld, die sie nun ihrem Geschäftszweck entsprechend gegen Zinsen verleihen kann. Wenn sie in größerem Umfang Geschäfte abwickeln möchte, kann sie versuchen, sich weiteres Zentralbankgeld im Rahmen von Offenmarktgeschäften zu beschaffen. Dabei handelt es sich in der Regel um befristete Transaktionen, in deren Rahmen der Geschäftsbank gegen die Hinterlegung von Sicherheiten von der Zentralbank Liquidität zugeführt wird. Die Zentralbank legt dazu einen Mindestbietungssatz fest und die Geschäftsbanken konkurrieren in einem Auktionsverfahren um die bereitgestellte Liquidität. Mit zunehmender Konkurrenz und steigenden Zinsen nimmt die Attraktivität weiterer Geschäfte für die Bank natürlich ab, da die Zinsspanne sinkt.

Für unsere weiteren Überlegungen wollen wir aber davon ausgehen, dass die Geschäftsbank über exakt 1000 Zentralbankgeld verfügt. Außerdem wollen wir der Einfachheit halber annehmen, dass die Kreditnachfrage der Nichtbanken das Kreditangebot der Geschäftsbank immer übersteigt und unsere Geschäftsbank das einzige Kreditinstitut am Markt ist.

Informationen zur Externer LinkMindestreserve und zur Externer LinkGeldpolitik der EZB.

Wenn wir jetzt noch zusätzlich davon ausgehen, dass die Wirtschaftssubjekte ausschließlich bargeldlos zahlen und keine Mindestreservepflicht besteht, kann die Geschäftsbank aus den 1000 Zentralbankgeld in beliebigem Umfang Geld schöpfen. Wenn der erste Kreditnehmer die Bank betritt und z.B. einen Kredit in Höhe von 200 nachfragt, kann ihn die Bank problemlos gewähren. Da der Kreditnehmer das Geld nicht bar abhebt, sondern seinem Girokonto gutschreiben lässt, verbleibt das Geld in der Bank. Es ist also keineswegs so, dass nun nur noch 800 als Kredit vergeben werden könnten. Jeder weitere Kunde kann in quasi beliebigem Umfang Kredit erhalten. Das würde unter den getroffenen Annahmen sogar ohne einen einzigen Cent Zentralbankgeld funktionieren.

Tatsächlich sind allerdings strukturelle Bremsen in das System der multiplen Geldschöpfung eingebaut. Zum einen werden die Wirtschaftssubjekte einen Teil des Geldes bar halten wollen, weil sich manche Geschäfte am bequemsten bar abwickeln lassen oder sogar Barzahlung verlangt wird oder die Wirtschaftssubjekte wie Dagobert Duck einfach Freude am Bargeldbesitz haben. Dieser Teil der Geldmenge ist durch die so genannte Bar(geld)quote bestimmt, die die Zahlungsgewohnheiten der Wirtschaftssubjekte beschreibt. Es sei angenommen, dass die Bargeldquote bei 15 Prozent liege - eine für Deutschland realistische Größenordnung. D.h. wenn ein repräsentatives Wirtschaftssubjekt einen Kredit in Höhe von 100 erhält, wird es 85 als Sichtguthaben und 15 als Bargeld halten wollen.

Die zweite strukturelle Bremse für die Ausweitung der Geldmenge ist die Mindestreservepflicht der Geschäftsbanken gegenüber der Zentralbank. Prinzipiell hat sich gegenüber DM-Zeiten an der Mindestreservepflicht nichts geändert. Leider findet sich im EU-Verordnungs- und Satzungsdschungel nicht mehr eine so schöne Formulierung wie früher im Bundesbankgesetz. Da prinzipiell aber alles beim Alten geblieben ist, beschreibt das nebenstehende Zitat die Mindestreservepflicht auch heute noch korrekt.

Mindestreserve

"... die ... Bundesbank kann verlangen, daß die Kreditinstitute in Höhe eines Vom-Hundert-Satzes ihrer Verbindlichkeiten aus Sichteinlagen ... Guthaben auf Girokonto bei ihr unterhalten (Mindestreserve)."

§16 Bundesbankgesetz

Die Geschäftsbanken müssen für ihre (kurzfristigen) Verbindlichkeiten (aus Sichtguthaben) einen prozentualen Anteil als Guthaben bei der Zentralbank hinterlegen. Das Soll ist im Monatsdurchschnitt zu erfüllen. Wenn unser oben betrachteter erster Kunde also 200 auf sein Girokonto einzahlt, entstünde der Geschäftsbank bei einem Reservesatz von 2 Prozent eine Mindestreservepflicht auf die Verbindlichkeiten aus Sichtguthaben in Höhe von 4.

Da die Zentralbank das Monopol für Zentralbankgeld besitzt, ist der unendlichen multiplen Geldschöpfung damit auch bei einer Barquote von Null ein Riegel vorgeschoben. Denn unsere Geschäftsbank verfügt nur über 1000 Zentralbankgeld. Sie könnte demnach maximal Kredite in Höhe von 50.000 vergeben, da sie auf entsprechend hohe Sichteinlagen 1000 Mindestreserve halten müsste.

Beide Faktoren, die Mindestreserve und die Barquote, wirken natürlich dämpfend auf die Möglichkeit der Geschäftsbank, Kredite zu vergeben. Um den Gesamteffekt zu analysieren, unterstellen wir einen Mindestreservesatz* von 20 % und eine Barquote von 15 Prozent:

Simulationsrechnung zum Geldschöpfungsprozess

Tabelle 1
Parameter: Barquote Mindestreservesatz Zentralbankgeld
 

 

Periode Kreditvergabe Reserve Barabhebung Sichtguthaben
1
2
3
4
5
6
7
8
usw. ... ... ... ...
Summe

Geldschöpfungs-Multiplikator =

  

Kurzanleitung: Wählen Sie Werte für die Barquote, den Mindestreservesatz und die Zentralbankgeldmenge. Wählen Sie anschließend "Aktualisieren", um die Berechnung zu starten. Beachten Sie, dass Ihre Eingaben nicht auf Plausibilität geprüft werden. Das im Text beschriebene Zahlenbeispiel ist voreingestellt ("Zurücksetzen").

Die Tabelle unterstellt, dass die Kredite vom Publikum auch vollständig nachgefragt werden. Berechnet wird also das theoretisch maximale Geldangebot MS, das sich für die Parameter Barquote BQ, Mindestreservesatz RS und Zentralbankgeldmenge ZBG ergibt:

[1]       [1]         (techn. Beziehung)

Wenn man von einer langfristigen Konstanz der Zahlungsgewohnheiten und somit einer konstanten Barquote ausgeht, kann man Gleichung [1] dahingehend interpretieren, dass die Zentralbank in der Lage ist, das Geldangebot mit Hilfe der Zentralbankgeldmenge und des Reservesatzes autonom zu steuern. Wir werden das in der Folge annehmen. Das Geldangebot ist in unserem Modell damit eine exogene Variable.

 

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